Samstag, 5. Januar 2013

Sprach- und Textwissenschaft

Martin-D[ietrich] Gleßgen: Vergleichende oder einzelsprachliche historische Textwissenschaft. In: Wolfgang Dahmen et al. (Hrsg.): Was kann eine vergleichende romanische Sprachwissenschaft heute (noch) leisten? Romanistisches Kolloquium XX. (Tübinger Beiträge zur Linguistik 491) Tübingen 2006, S. 319-340.

Auf den ersten Blick sieht der Aufsatz von Martin-Dietrich Gleßgen aus dem Jahr 2006 sehr vielversprechend aus, denn der Titel verheißt Auskunft über eine »vergleichende oder einzelsprachliche historische Textwissenschaft«. Bei der Lektüre wird aber schnell deutlich, dass Gleßgen etwas sehr Bestimmtes im Sinn hat – und deshalb ist er recht weit von dem entfernt, was ich mir als Historische Textwissenschaft vorstelle.

Gleßgen beschäftigt sich mit den Möglichkeiten und Herausforderungen einer historischen Textwissenschaft für eine (vergleichende) romanistische Sprachwissenschaft. Was genau unter einer historischen Textwissenschaft zu verstehen ist, bleibt vage. Im Rahmen seines Aufsatzes dient die historische Textwissenschaft vor allem als Rahmen, um ein Ausgreifen der Sprachwissenschaft auf Felder zu legitimieren, die für eine romanistische Sprachwissenschaft offenbar schwer zu erreichen sind. Hierzu gehören die Differenzierung von Textsorten und textsortenspezifische Untersuchungen.

Diese Differenzierung von Textsorten steht im Zentrum der Überlegungen Gleßgens. Das Konzept einer Textwissenschaft ist somit ein Entwurf, der aus sprachwissenschaftlicher Perspektive zu verstehen ist. Gemeint ist eine Sprachwissenschaft, die Textsorten unterscheidet und die ihre (sprachlichen) Analysen anhand dieser Unterscheidungen ausrichtet. Aus Sicht der Sprachwissenschaft mag es sinnvoll sein, dies als historische Textwissenschaft zu bezeichnen, allerdings erhebt Gleßgens Aufsatz nicht den Anspruch, ausgehend vom Begriff eine neue und umfassende Form des Umgangs mit Textualität zu entwerfen.

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