Sonntag, 24. März 2013

Promotionsprogramm

Bisher völlig übersehen habe ich das Promotionsprogramm »Theorie und Methodologie der Textwissenschaften und ihre Geschichte" (TMTG) der Universitäten Göttingen und Osnabrück. »Das Promotionsprogramm trägt«, so heißt es auf der Homepage »zur Grundlagenforschung der Wissenschaften bei, die sich mit Texten befassen«. Sinnvoll scheint mir die Beteiligung verschiedener Disziplinen, in denen die Auseinandersetzung mit Texten eine zentrale Rolle spielt; auch die historische Perspektive leuchtet mir ein.

Nicht ganz klar wird mir die nähere Beschreibung des Begriffs der »Textwissenschaft«. Unter dem Stichwort »Ziele« ist davon die Rede, dass mit dem Begriff Bezug genommen wird »auf die sprachliche Verfasstheit der Untersuchungsgegenstände« und dass »Texte oder literarische Werke« im Zentrum stehen, »mit entschiedenem Blick auf deren sprachlicher Besonderheit«. Zudem wird darauf hingewiesen, dass es »um besondere philologische Kompetenzen« gehe. So verstanden scheint mir »Textwissenschaft« jedoch ein recht unspezifischer Oberbegriff zu sein, für die philologische Auseinandersetzung mit verschriftlichter Sprache, vor allem in Form von »Literatur«.

Das Themenspektrum ist recht breit – was für eine interdisziplinäre Diskussion sicherlich kein Nachteil ist. Zudem leistet der Begriff der »Textwissenschaft« offenbar eine breite disziplinäre Identifikation, was vielleicht auch dazu führt, dass man mit diesem Begriff keinen allzu enges Konzept verbindet.

Sonntag, 17. März 2013

Dialektale Texte

Der kurze Artikel der Neuen Zürcher Zeitung zur Verschriftlichung der Mundart mittels elektronischer Kommunikation ist zwar schon vor sechs Wochen erschienen, behandelt aber ein Thema, dass uns schon einige Zeit begleitet und uns wohl auch noch einige Zeit begleiten wird. Es geht, kurz gesagt, um die Übertragung gesprochener Sprache in die elektronischen Kommunikationskanäle. Aufgrund der starken dialektalen Prägung der deutschsprachigen Schweiz ist dieses Thema dort besonders relevant, dürfte aber auch im übrigen deutschsprachigen Raum von Bedeutung sein.

Bei dieser Übertragung gesprochener Sprache in elektronische Kommunikation ergeben sich verschiedene Herausforderungen: Es steht keine geregelte, allgemeinverbindliche und gelernte Orthographie zur Verfügung; die Schreibweisen, Begriffe, Zeichen und sprachlichen Regeln unterliegen einer beschleunigten Veränderung (und Standardisierung); zudem interagiert das Medium mit der Verschriftlichung der Umgangssprache.

Vor allem der letzte Punkt dürfte spannend sein und erlaubt eine genauere Differenzierung. Was nämlich vertextbar ist, was also überhaupt zu Text werden kann, wird geregelt durch Techniken, Praktiken und Diskurse. Techniken (z.B. SMS, Twitter oder Social-Media-Plattformen wie Facebook) geben mitunter recht rigide Textualitätsvorgaben, was beispielsweise die Länge von Aussagen anbelangt oder auch die Gerichtetheit, indem man beispielsweise eine Person direkt via Handy ansprechen kann. Praktiken (z.B. Kommunikationsakte in der Familie) regulieren, wann vertextet wird und welche Personen als Kommunikationspartner zur Verfügung stehen. Diskurse schließlich regulieren, was sagbar (und damit textualisierbar) ist und was nicht. Dialektsprecher wissen beispielsweise, dass sich Fremdworte und Fachbegriffe meist nicht ohne Reibungsverluste in den Dialekt einfügen lassen; mit derartigen Beschränkungen muss man – auf welche Weise auch immer – umgehen lernen.

Philologie, Textwissenschaft, Medienkunde

Und wieder einmal taucht der Begriff »Textwissenschaft« auf, diesmal als Sektionstitel einer Konferenz zu »Perspektiven der Germanistik im 21. Jahrhundert«. Das »Forum A.2« trägt die Überschrift »Philologie, Textwissenschaft, Medienkunde? Zum Gegenstand der Germanistik«. Leider taucht die Textwissenschaft in der zugehörigen Ansammlung von Fragen nicht mehr auf; mithin wurde der Begriff wohl nur gebraucht, um im Titel drei (statt lediglich zwei) Begriffe anzuführen. Die Konferenz selbst kann durchaus mit hochkarätigen TeilnehmerInnen aufwarten und steht natürlich in einer langen (selbst)kritischen Diskussionstradition der Deutschen Philologie/Germanistik/Literatur-/Kulturwissenschaft. Der Begriff der »Textwissenschaft« wird bei dieser Diskussion, so vermute ich, keine Rolle spielen.