Sonntag, 17. März 2013

Dialektale Texte

Der kurze Artikel der Neuen Zürcher Zeitung zur Verschriftlichung der Mundart mittels elektronischer Kommunikation ist zwar schon vor sechs Wochen erschienen, behandelt aber ein Thema, dass uns schon einige Zeit begleitet und uns wohl auch noch einige Zeit begleiten wird. Es geht, kurz gesagt, um die Übertragung gesprochener Sprache in die elektronischen Kommunikationskanäle. Aufgrund der starken dialektalen Prägung der deutschsprachigen Schweiz ist dieses Thema dort besonders relevant, dürfte aber auch im übrigen deutschsprachigen Raum von Bedeutung sein.

Bei dieser Übertragung gesprochener Sprache in elektronische Kommunikation ergeben sich verschiedene Herausforderungen: Es steht keine geregelte, allgemeinverbindliche und gelernte Orthographie zur Verfügung; die Schreibweisen, Begriffe, Zeichen und sprachlichen Regeln unterliegen einer beschleunigten Veränderung (und Standardisierung); zudem interagiert das Medium mit der Verschriftlichung der Umgangssprache.

Vor allem der letzte Punkt dürfte spannend sein und erlaubt eine genauere Differenzierung. Was nämlich vertextbar ist, was also überhaupt zu Text werden kann, wird geregelt durch Techniken, Praktiken und Diskurse. Techniken (z.B. SMS, Twitter oder Social-Media-Plattformen wie Facebook) geben mitunter recht rigide Textualitätsvorgaben, was beispielsweise die Länge von Aussagen anbelangt oder auch die Gerichtetheit, indem man beispielsweise eine Person direkt via Handy ansprechen kann. Praktiken (z.B. Kommunikationsakte in der Familie) regulieren, wann vertextet wird und welche Personen als Kommunikationspartner zur Verfügung stehen. Diskurse schließlich regulieren, was sagbar (und damit textualisierbar) ist und was nicht. Dialektsprecher wissen beispielsweise, dass sich Fremdworte und Fachbegriffe meist nicht ohne Reibungsverluste in den Dialekt einfügen lassen; mit derartigen Beschränkungen muss man – auf welche Weise auch immer – umgehen lernen.

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