Samstag, 6. April 2013

Textträger

Kurz hingewiesen sie auf Malte Herwigs dradio-Beitrag zur »Bücherrevolution« (der zurückgeht auf einen Freitag-Artikel vom Oktober 2012). Herwig guillotiniert seine Bibliothek, scannt die vormals gebundenen Textstapel ein und speichert die Daten dann auf seinem eBook-Reader. Der zentrale Satz, der die »Revolution« rechtfertigt lautet: »Aber zerstört wird ja nur der Träger, nicht der Text«. Das unterschätzt zwar die Funktion des Trägers für den Text, für dessen Präsentation und Wahrnehmung; aber als eingängige Rechtfertigung der privaten do-it-yourself-Digitalisierung taugt der Satz allemal.

Studienordnung II

Zurück zum Thema Studienordnungen. Am 16. Dezember habe ich über ein Modul »Historische Textwissenschaft« des Masterstudiengangs »Deutsche Sprache und Literatur« der Universität Köln geschrieben, also über einen (kleinen) Teil eines Studiengangs. Eine Recherche nach »textwissenschaftlichen« Studiengängen (also ohne das Adjektiv »historisch«) führte mich nach Passau, denn dort gibt es einen Bachelorstudiengang »Sprach- und Textwissenschaften«.

Ein Blick in die Studienordnung zeigt eine breite disziplinäre Auswahlmöglichkeit, die neben der Medienwissenschaft zahlreiche sprache- und literaturwissenschaftliche Fächer umfasst. In einem »Transfer- und Kontextmodul« stehen auch geschichtswissenschaftliche, juristische, theologische, philosophische und bildwissenschaftliche Veranstaltungen zur Wahl.

So gesehen bildet die »Textwissenschaft« vor allem den Oberbegriff für zahlreiche etablierte Disziplinen. Sucht man nach einem Studienmodul, das einen spezifisch textwissenschaftlichen Anspruch erhebt, dürfte vor allem das »Sprach- und Textwissenschaftliche Grundmodul« interessant sein. In diesem Modul ist eine »Integrative Ringvorlesung ›Text‹-Wissen« vorgesehen – wobei es durchaus symptomatisch für den interdisziplinären Anspruch des Studiengangs ist, dass eine solche Veranstaltung explizit als Ringvorlesung statt als Vorlesung ausgewiesen ist. Wäre stattdessen auch eine »transdisziplinäre« Konzeption denkbar, bei der die Disziplingrenzen verwischt und nivelliert würden?

Worum es in der besagten Ringvorlesung geht, lässt sich dem Modulkatalog allerdings nicht entnehmen. Dort werden nur die übrigen Veranstaltung des Moduls näher erläutert.