Sonntag, 2. Juni 2013

Internationales Kunstenglisch

Im aktuellen Merkur findet man die Übersetzung eines Artikels von Alix Rule und David Levine über »International Art English« (IAE). Darin wird – mit einer gewissen Ironie, wenn ich mich nicht täusche – die These vertreten, dass es sich bei den verschiedenen online verbreiteten Ankündigungs-, Katalog- und Werbetexten der Kunstwelt nicht einfach nur um ein fachsprachliches Englisch handelt, sondern um eine eigene, vom Englischen abzugrenzende Sprache handelt. Ein zentrales Argument für diese These ist aus textwissenschaftlicher Sicht nicht uninteressant. Die beiden Verfasser weisen nämlich darauf hin, dass sich das gegenwärtige Art-Englisch insbesondere an Übersetzungen französischer Poststrukturalisten und Dekonstruktivisten orientiert. Deshalb klinge diese Sprache mitunter wie ein »schlecht übersetztes Französisch«. In dieser »universalen Fremdsprache« werde nun weltweit über Kunst geschrieben, so dass sich VerfasserInnen aus anderen Sprachräumen nun selbst in diese Sprache übersetzen müssen. Es ist gerade dieser Übersetzungsprozess, der sich als eine komplexe Reihung von Nachahmung, Wiederholung und sprachlicher Selbstdisziplinierung vorstellen lässt: Vielleicht sind, so die Autoren, die französischen Pressemitteilungen deshalb so gut, weil sich französische Praktikanten an amerikanischen Praktikanten orientieren, die sich an amerikanischen Professoren orientieren, die sich an französischen Professoren orientieren?

     »The IAE of the French press release is almost too perfect: 
     It is written, we can only imagine, by French interns 
     imitating American interns imitating American academics 
     imitating French academics. Scandinavian IAE, 
     on the other hand, tends to be lousy. Presumably 
     its writers are hampered by false confidence—
     with their complacent non-native fluency in English,
     they have no ear for IAE.«

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