Montag, 29. Juli 2013

Mangelmedien etc.

Ein Blogbeitrag über das Ende der Mangelmedien erklärt das Problem papierbasierter Medien im 21. Jahrhundert unter anderem mit Blick auf die zeitliche und materielle Beschränktheit der »alten« Medien. »Der Teil von Print«, so heißt es,

»der sein Modell auf Mangel (an Zeit, an Papier etc) aufbaute, ist irrelevant geworden. Warum eine Auswahl alter Nachrichten auf Papier? Wofür sollen wir mittelfristig noch Zeitschriften brauchen, die durch lineares TV navigieren (siehe oben)?«

Dieser Blick auf die Transformationen von Schriftmedien hat durchaus Tradition: Auch bei dem Übergang von Pergament zu Papier, bei dem Übergang von der Schriftrolle zum Kodex und bei dem Übergang hin zum Druck mit beweglichen Lettern führt man oft (wenn auch nicht ausschließlich) das Argument des Mangels an. Uns so ist der Hinweis auf die Beschränktheit des Papiers ja auch gut nachzuvollziehen: Der Umfang einer papiernen Tageszeitung ist begrenzt und diese Begrenzung hat Auswirkungen auf die Form der Texte, die dort abgedruckt werden (während der Textraum des Internets schier unbegrenzten Speicher- und Präsentationsplatz bietet). Der Hinweis auf den Mangel an Zeit bezieht sich wohl nicht auf die beschränkte Zeit der LeserInnen, sondern auf die zeitlichen Beschränkungen bei der Produktion einer Tageszeitung – eine Beschränkung, die dazu führt, dass man »alte« Nachrichten liest.

Von Mängeln kann man in diesen Fällen freilich nur im Vergleich zu anderen »Medien« sprechen. Wenn das »etc« am Ende der Aufzählung eine Fortsetzbarkeit der Reihe verspricht, dann ist dabei wohl an bildschirmbasierte Geräte gedacht. Man könnte, will man die Liste fortsetzen, auf Fragen des Transports verweisen – eine Zeitung muss schließlich in dieser Hinsicht bestimmten Anforderungen genügen. Zu denken wäre wohl auch an einen Mangel an – wie soll man es nennen? – »visueller Mobilisierung«, denn einer Zeitung fehlen bewegte Bilder. Hinzu kommt ein Mangel an Interaktion und wohl auch ein Mangel an »Veränderbarkeit«, denn der Text der einmal gedruckten Zeitung lässt sich nicht mehr verändern. Gerade an diesem Beispiel kann man aber auch sehen, dass die Behebung der Mängel mit Mängeln einhergeht, denn die Stabilität des Drucks auf Papier ermöglicht – im Verbund mit archivierenden Institutionen – einheitliche Rezeption und Zitierbarkeit. Die Transformationen, die mit einem Mangel an Stabilität verbunden sind, dürften weitreichend sein und ich sehe nicht, dass man darüber bereits umfassend nachdenkt.

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